klar

Klage auf Reisepreisminderung wegen nicht barrierefreier Unterbringung im Hotel

Zivilsache

Das Amtsgericht Hannover verhandelt unter dem Vorsitz von

Richterin am Amtsgericht Dagmar Frost

am 09.08.2018 um 11:20 Uhr in Saal 2143

eine Klage auf Schadensersatz wegen der Unterbringung des Klägers in einem nicht barriere-freien Zimmer.

Der Kläger ist Rollstuhlfahrer und hat bereits mehrfach Flug-Pauschalreisen bei der Beklagten gebucht. Der Kläger buchte für sich und seine Ehefrau zunächst eine Hotelübernachtung am Flughafen Frankfurt am Main, weil eine rechtzeitige Anreise zu dem früh morgens startenden Flug nicht möglich gewesen wäre. In der Buchungsbestätigung für dieses Zimmer findet sich die Formulierung: „Das Hotel hat ein behindertenfreundliches Zimmer bestätigt.“ Tatsächlich wurde dem Kläger bei Anreise im Flughafenhotel mitgeteilt, dass es in dem ganzen Hotel kein behin-dertengerechtes Zimmer und auch kein „behindertenfreundliches“ Zimmer gebe. Der Kläger wurde deswegen in einem normalen Hotelzimmer untergebracht, in dem es ihm nicht möglich war, das Badezimmer und die Toilette zu erreichen, weil die Badezimmertür zu schmal war, um mit dem Rollstuhl durchfahren zu werden. Der Kläger musste deswegen auf Körperhygiene verzichten.

Der Kläger verbrachte sodann mit seiner Ehefrau eine Kreuzfahrt in der Dominikanischen Re-publik, die beanstandungsfrei abgelaufen ist. Im Anschluss an die Kreuzfahrt hat der Kläger einen 10-tägigen Hotelaufenthalt in Punta Cana gebucht. Auch hier enthält die Buchungsbestätigung den Passus: „Das Hotel hat ein behindertenfreundliches Zimmer bestätigt.“ Außerdem heißt es dort: „Pls reserve a handicappeped room with roll in shower“.

Der Kläger behauptet, dass sich das Personal erstaunt über den Gast im Rollstuhl gezeigt habe, als er dort anreiste, weil auch dieses Hotel über behindertengerechte Zimmer nicht verfügte. Zudem seien auch die Zimmer selbst nicht barrierefrei und nur über Rampen zu erreichen gewesen, die der Kläger ohne fremde Hilfe nicht überwinden konnte. Das ihm zugewiesene Zim-mer sei so eng gewesen, dass er in dem Rollstuhl nur habe geradeaus fahren können, nicht jedoch wenden oder um die Kurve fahren können. Deswegen sei es ihm auch in diesem Zimmer nicht möglich gewesen, das Badezimmer zu erreichen. Der Kläger buchte daher noch am selben Tag in ein anderes Hotel mit behindertengerechter Unterbringung um, musste hierfür jedoch Zusatzkosten aufwenden. Zudem sei die Ersatzunterkunft stark mit Schimmel belastet gewesen und es habe sich - anders als das ursprünglich gebuchte Hotel - um ein Familienhotel und nicht um ein reines Erwachsenenhotel gehandelt.

Der Kläger macht Minderungs- und Schadensersatzansprüche von insgesamt 2.861,00 € geltend. Vorgerichtlich hat die Beklagte bereist einen Betrag in Höhe von 510,00 € geleistet. Die Beklagte meint, sie habe in der Dominikanischen Republik ein behindertenfreundliches Zimmer angeboten - ein behindertengerechtes Zimmer sei nicht gebucht und nicht geschuldet gewesen.

Az: 465 C 4633/18

Ansprechpartner: Pressedezernat Amtsgericht Hannover, catharina.erps@justiz.niedersachsen.de, Tel: 0511/347-22 77; 0163/347-33 24

Artikel-Informationen

06.08.2018

Ansprechpartner/in:
Pressesprecherin Ri`in AG Dr. Catharina Erps

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln